Inklusive Kultur

IMG 8033Inklusion ist spätestens seit der Ratifizierung der UN-Behindertenrechtskonvention durch die Bundesregierung im Jahr 2009 ein auch in Deutschland in einer breiteren Öffentlichkeit diskutiertes Thema. Die Themen der UN-Konvention sind vielfältig. Besondere Bedeutung kommt der Kultur zu. Im Fokus steht dabei, Menschen mit Behinderung die Möglichkeit zu geben, ihr kreatives, künstlerisches und intellektuelles Potenzial zu entfalten und zu nutzen, nicht nur für sich selbst, sondern auch zur Bereicherung der Gesellschaft. Auch die Anerkennung und Unterstützung spezifischer kultureller Identitäten und Ausdrucksformen wie z. B. der Gebärdensprache gehört zu den wichtigen Forderungen der Konvention.

aolWie aber können Kunst und Kultur dazu beitragen, dieses Ziel zu erreichen? Die Gold-Kraemer-Stiftung gibt mit ihren beiden Projekten „Art of Life“ und dem Begegnungszentrum Kirche Alt St. Ulrich hier wegweisende Antworten. aolIn Köln-Kalk, eingebettet in das multifunktionale Familienzentrum der Gold-Kraemer-Stiftung, gibt es ein vielseitiges und abwechslungsreiches Kursprogramm, das vom gemeinsamen Musizieren und Gestalten bis hin zu Tanz und Sport Menschen mit und ohne Behinderung zusammenführt. Dass dieses Engagement nicht nur hinter verschlossenen Türen stattfindet, sondern buchstäblich seinen Weg auf die Straße findet, ist besonders wichtig.

Auch im Begegnungszentrum Kirche Alt St. Ulrich in Frechen-Buschbell liegt der Schwerpunkt der kulturellen Veranstaltungen darauf, Kunst und Kultur in einer möglichst großen Vielfalt und Bandbreite einem Publikum mit ganz verschiedenen Voraussetzungen zugänglich zu machen. Ziel ist die Begegnung der kulturinteressierten Menschen auf Augenhöhe. So werden etwa spezielle Führungen für Menschen mit einer Sehbehinderung oder mit Gebärdensprachdolmetscher für Gehörlose angeboten.

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Menschen mit einer geistigen Behinderung, vor allem die Bewohnerinnen und Bewohner der Paul-Kraemer-Häuser, sind mittlerweile regelmäßige Teilnehmer der Kreativ-Workshops, die als Begleitprogramm zu den Ausstellungen angeboten werden. Inspiriert von den gezeigten Werken können die Teilnehmer mit den unterschiedlichsten Techniken selbst gestalten. Der Spaß und die gemeinsame Kreativität stehen dabei im Vordergrund; allerdings können sich die Ergebnisse auch durchaus sehen lassen und mit so genannter „etablierter“ Kunst mühelos mithalten.

Wir wollen, dass Kulturschaffende und kulturelle Einrichtungen Menschen mit Behinderung stärker als Dialogpartner und Besucher berücksichtigen. Kunst von Menschen mit Behinderung darf nicht als „Außenseiter-Kunst“ gesehen werden, sondern als das, was Kunst immer ist: eine eigene Ausdrucksform, mit deren Hilfe der Künstler seine Emotion und seine Botschaft vermittelt. Kunst und Kultur wirken so aktiv daran mit, dass Menschen mit und ohne Behinderung vorurteilsfrei und selbstverständlich zusammenleben.