Heilige Katharina von Siena

katharinaAls letztes Fenster seines Zyklus vollendete Meistermann die Darstellung der Heiligen Katharina von Siena, Schutzpatronin aller Armen, Schwachen und Sterbenden. Die Dominikanerin (1347-1380) kümmerte sich in den Pestjahren um Kranke, setzte sich aber auch erfolgreich für die Rückkehr des Papstes von Avignon nach Rom ein.

Mystikerin, Seherin, Sibylle und Politikerin

Meistermann schrieb über das Fenster: „Ich war sehr gepackt von dieser gewaltigen Frau, die Mystikerin, Seherin, Sibylle und Politikerin zugleich war, in einer Zeit, die nicht weniger verwirrt war als die unsere. Ich habe als Darstellung ihre Ergriffenheit des Stigmatisiert-Werdens gewählt, so daß sie wiederum ein neues Moment in den Zyklus der Fenster hineinträgt. Eine Tiara zeigt an, daß sie um die Wirren der Avignoner Papstgefangenschaft bemüht war. Ihre Hände sind ganz von innen geformt, von dem Schmerz der Wundmale. Sie schaut auf zu einem Kreuz, auf dem Male angedeutet sind, von denen Strahlungen sich ergießen und das oben in einer Dornenkrone endet. Im Arm hält sie einen Strauß von drei Lilien.“

Die falsche Katharina

Um das Katharina-Fenster entzündete sich bald nach seiner Anbringung ein heftiger Streit. Wie einige andere Fenster auch war es gestiftet worden, und die Stifterin war auf die heilige Katharina von Alexandrien getauft, weshalb diese Märtyrerin auch dargestellt werden sollte. Meistermanns Entwürfe jedoch zeigten die Katharina von Siena, weshalb Rudolf Peil als verantwortlicher Pfarrer ihn ablehnte. Gleichwohl wurde Anfang 1949 das Bildnis der sienensischen Katharina in Buschbell montiert; das gleiche Fenster wurde etwa zeitgleich in der Kapelle "Madonna in den Trümmern" (St. Kolumba) in Köln eingebaut, nachdem Meistermann infolge des Motivstreits den Entwurf ein zweites Mal veräußert hatte. Neben der Auseinandersetzung über die "falsche Katharina" erhielt der Konflikt durch diese zweifache Fertigung zusätzliche Brisanz. Letztlich behielten beide Seiten nach einem langen Rechtsstreit ihr jeweiliges Fenster, so dass dieses Meistermannfenster gleich zweimal existiert.